Jüdisches Märchen
Rabbi Akiba hatte eine Tochter, über die Sterndeuter ihm prophezeit hatten, dass am Tage, an dem sie unter den Traubaldachin treten wird, eine Schlange sie beißen und sie sterben werde, und er war deshalb sehr bekümmert.An dem Tage ihrer Trauung war es sehr heiß. Da ging die Tochter Rabbi Akibas in den Garten und legte sich auf eine Bank, die in der Laube war. Um beim Liegen nicht gestört zu werden, nahm sie die goldene Haarspange aus ihrem Haare, steckte sie in die Wand der Laube und schlief ein.
Auch Rabbi Akiba ging in den Garten, kam zur Laube und sah seine Tochter schlafen. Da dachte er sich: Sie hat den ganzen Tag schwer gearbeitet, sie hat den Mägden geholfen, das Mahl vorzubereiten. Daher ist sie müde und ist eingeschlummert.In diesem Moment erwachte sie aus ihrem Schlaf, erhob sich vor ihrem Vater und streckte ihre Hand aus, um die Haarspange aus der Laubenwand herauszuziehen. Und siehe da, eine große und schreckliche Schlange mit durchstochenen Augen hing an der Haarspange. Denn als die Braut die Haarspange in die Wand steckte, durchstach sie das Auge der Schlange, die gekommen war, sie zu beißen.
Als Rabbi Akiba dies sah, sagte er zu seiner Tochter: »Lobe Gott den Herrn, dass er an dir ein Wunder getan hat. Und jetzt sage mir, bitte, welche gute Tat du vollbracht hast, die dir Gott als Wohltat angerechnet und dich vom Tode errettet hat?«Und die Tochter erwiderte: »Als ich an der Spitze der geladenen Gäste saß, die aßen und tranken und sich gütlich taten, da kam ein armer Mann ins Haus und stand bei der Tür. Er bat um etwas zu essen. Aber keiner von den Geladenen bemerkte ihn, denn er redete mit schwacher Stimme. Er schämte sich, laut zu sprechen. Da nahm ich meine Portion, die du für mich vorbereitet hattest, und gab sie ihm. Er aß, wurde satt und ließ noch etwas übrig. Er segnete mich und ging seines Weges.«
Da sprach Rabbi Akiba zu ihr: »Du hast Wohltätigkeit geübt, und sie hat dich vom Tode errettet.« (Schabbat 156 b)